Forum | Hochbegabung, Schicksal oder Chance? Hochbegabte Menschen verstehen

Wir - Kleinkinder - Schulkinder - alle Kinder - 4 Boards => Gäste => Thema gestartet von: Adriane Hendlmeier am April 15, 2016, 10:46:10 Vormittag

Titel: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Adriane Hendlmeier am April 15, 2016, 10:46:10 Vormittag
Hallo liebe Mitglieder dieses Forums,

Mein Name ist Adriane Hendlmeier und ich bin Studentin an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Meine Kommilitonen und ich schreiben für unser Semestermagazin „Unsichtbar“ der redaktionzukunft.de, der Lehrredaktion meines Studiengangs.
Ich möchte einen Beitrag zum Thema „Underachievement“ machen und die Suche nach einem Betroffenen gestaltet sich leider sehr schwer, da für einen Großteil der Bevölkerung das Thema noch unbekannt ist und man auch als Betroffener vermutlich eher ungern über dieses Thema spricht.

Ich hoffe, ich verstoße hiermit nicht gegen Regeln, aber ich weiß mir leider nicht mehr anders zu helfen.

Deshalb wende ich mich nun an Euch, in der Hoffnung, jemanden zu treffen, der entweder Underachiever war und über seine Erfahrungen berichten kann, oder momentan betroffen ist und der aus dem Großraum Stuttgart kommt.
Oder auch, wenn Ihr nicht im Raum Stuttgart seid, aber bereit wärt, mich bei meinem Artikel zu unterstützen, würde ich mich freuen, ein schriftliches Interview machen zu können.

Es wäre mir eine unglaubliche Hilfe,

Herzliche Grüße,
Adriane Hendlmeier  :)

Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Anekdote am April 15, 2016, 11:06:43 Vormittag
Hallo Adriane,

nein, du verstößt nicht gegen die Regeln.  ;)

Das Phänomen Underachievement ist tatsächlich eine Art blinder Fleck. Das liegt wohl auch daran, dass es schwierig ist, Leistungen zu beurteilen. Ist ein Hochbegabter, dies kein Abi macht und nicht studiert, ein Underachiver auch wenn er in seinem Beruf TOP-Leistungen bringt? Hier tummeln sich sicher einige, die von ihren Kindern denken, dass diese weit unter ihren Möglichkeiten bleiben.

Ich denke, wir können es nicht wirklich erfassen, was z. B. ein hochbegabtes Kind leisten kann. Manchmal sind extreme Hochleister in den Medien. Ich denke, sehr sehr viele hochbegabte Kinder könnten bei entsprechender systematischer Förderung derartige Leistungen bringen. Doch diese Förderung bleibt in den meisten Fällen aus. Aus diesem Blickwinkel sind sicher viele Hochbegabte als Underachiever einzuschätzen, auch wenn sie in der Schule gute Noten schreiben.

Wenn du erwachsene Underachiever kennenlernen willst, würde ich mich mal mit Mensa in Verbindung setzen. Die halten regelmäßig Stammtische ab, wo man mal hingehen kann, und Leute sprechen kann. Wenn die Zeit knapp ist, kann Mensa sicher auch über eine Rundmail Menschen aufrufen sich zu melden, die sich für Underachiever halten. Guck mal hier. Heute sollte wieder ein Stammtisch sein. https://stuttgart.mensa.de/treffen-in-stuttgart/ (https://stuttgart.mensa.de/treffen-in-stuttgart/)

Möchtest du Interviews machen oder was ist deine nähere Zielstellung?
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: betta am April 15, 2016, 15:57:16 Nachmittag
Hallo Adriane,

ich habe mit meinem Sohn gesprochen, er las den Post und wäre bereit, dir auf Fragen zu antworten und vielleicht auch von sich aus etwas zu erzählen. Er ist 13 Jahre alt - ich persönlich vermute, dass es leichter wird wenn du Fragen vorbereitet hast....

Schreib doch eine pn, eventuell könnt ihr euch über Skype treffen, da wir nicht in Stuttgart oder Umgebung wohnen.

LG betta
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: yalexandra am Mai 01, 2016, 17:05:05 Nachmittag
Hallo,
Unser Sohn ist 9 und würde auch Fragen beantworten.
Also einfach melden.

Liebe Grüße
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Karin am Mai 05, 2016, 00:28:38 Vormittag
Hallo,ich würde mich gerne der Sache anschließen.Ich bin aus NRW und würde mich auch über Kontakt freuen.
LG Karin
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: thinking am Mai 19, 2016, 14:42:30 Nachmittag
Scheint so, als seien hier viele aus NRW unterwegs ;D Gibts hier auf welche aus Niedersachsen?
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Christian am Juni 21, 2016, 14:04:28 Nachmittag
Moin Adriane,
Ich missbrauche deinen Thread mal, um kurz Moralapostel zu spielen.
@yalexandra:
Underachiever. Ein Neunjähriger. Interessant?

Seine Hochbegabung ist bekannt, weswegen es kein Problem sein wird, ihn trotz möglicherweise schlechter Schulnoten an einem Gymnasium unterzukriegen.
Ist nicht böse gemeint, aber an wirklichem Underachievement - wovon man bei einem Neunjährigen niemals sprechen kann - sind meistens die Eltern und ihre Erwartungshaltungen schuld.

Gruß,
Christian
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: kama am Juni 21, 2016, 14:18:38 Nachmittag
Oh - da macht sich einer beliebt  p)

Wenn man sich hier so manchen Bericht durchliest, könnte man vielleicht doch auf den Gedanken kommen, dass auch Neunjährige sich in der Schule langweilen, abschalten und es zu schlechten Schulleistungen bringen. Wie nennt man es denn, wenn intelligente Kinder weit unter ihren Leistungen bleiben? Warum sollte ein Neunjähriger dies nicht erleben? Ab welchem Alter ist denn erlaubt, "Underchiever" sein zu dürfen?

Interessante These, dass ein Test ausreicht, um in Kind im Gymnasium unterzubringen. Da frage ich mich, woher diese Erfahrung denn stammen?

Ich glaube, hier geht es weniger um Moralapostel als viel mehr um Provozieren....
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Christian am Juni 21, 2016, 15:18:39 Nachmittag
@kama:

Ich habe ihren Thread gelesen:
http://forum.schicksal-hochbegabung.de/index.php/topic,983.0.html
"viele 3en kassiert hat. Die Hauptfächer sind zwar 2". Dieses Zeugnis + die Information der Hochbegabung = Gymnasium, garkein Problem!
Keiner kennt den miserablen Stand um Schulen besser als Direktoren - bei welchem man sich bei der Anmeldung (weiterführende Schule) samt Kind vorstellt (zumindest in NRW gängige Praxis). Da schert sich keiner um Noten.
Quelle: Eigene Erfahrung und die von einem Hochbegabtenverein in NRW. Mag in anderen Bundesländern anders sein, bezweifle ich jedoch.

Dass Kinder immer früher als Underachiever bezeichnet werden, finde ich alarmierend.
Wo soll das hinführen?
Übertriebene Erwartungshaltungen der Eltern können mehr anrichten, als eine Et-kütt-wie-et-kütt-Haltung.

Habe ich sie etwas angefahren? Ja, doch sie und ich stehen auf derselben Seite.
Es reicht, wenn der Sohn von einem von uns trotz Hochbegabung mit 24 seine Fachhochschulreife macht.
Die Fehler, die ich ihr vorwerfe, habe ich selber gemacht.
Habe ich zu 100% Unrecht, ärgert sie sich fünf Minuten.
Habe ich (zu einem Teil) Recht, regt es vielleicht Besserung an.
Die Aussicht genügt mir :)

Gruß,
Christian
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: kama am Juni 21, 2016, 16:09:23 Nachmittag
Zitat
Habe ich sie etwas angefahren? Ja, doch sie und ich stehen auf derselben Seite.
Es reicht, wenn der Sohn von einem von uns trotz Hochbegabung mit 24 seine Fachhochschulreife macht.
Die Fehler, die ich ihr vorwerfe, habe ich selber gemacht.
Habe ich zu 100% Unrecht, ärgert sie sich fünf Minuten.
Habe ich (zu einem Teil) Recht, regt es vielleicht Besserung an.
Die Aussicht genügt mir :)

Bin ich "sie"??
Wechselt "sie" innerhalb dieses Absatzes?

Also andere Bundesländer, andere Sitten.

Gelassenheit ist mit Sicherheit erst mal nicht schlecht - aber gerade bei Undrechievment sollte man schon ein bisserl aufmerksam sein. Denn diese Spirale dreht sich leicht in die verkehrte Richtung. Gerade bei Unterforderung, schlechte Noten wird da leicht ein schlechtes Selbstbewusstsein, höchste Verunsicherung, Orientierungslosigkeit. Nicht jeder löst dieses Dilemma mit einem späten Fachabitur...

Und wenn einer von 2 Söhnen Fachhochschulreife mit 24 macht, was macht der andere? Nichts, "in der Gosse" landen? Dann nehme ich den mit Fachabi.


Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Anekdote am Juni 21, 2016, 16:40:38 Nachmittag
Hallo Christian,

bei aller Erfahrung, die du hast, sind es auch nur eigene Erfahrungen und somit subjektiv. Da hat ein anderer möglicherweise auch wieder eine andere Sicht zu.

Das Zweite, was ich anzumerken hätte ist ,dass man nicht einfach so von draußen in eine bestehende Diskussion reingrätschen und andere mit seiner Meinung beglücken sollte. Wir alle hier wissen reinweg nichts über dich. Wie sollte man deine Meinung und Erfahrungschatz jetzt einordnen? Ich habe keine Ahnung. Dein Verhalten hier ist nicht besonders höflich und dies gewiss nicht wegen deiner unbequemen Meinung. Die darf man gerne haben.

Inhaltlich habe ich unter diesen Umständen kein Verlangen, auf deine Äußerungen einzugehen und ich scheue mich ansonsten gewiss nicht vor Diskussionen.

Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Conny am Juni 21, 2016, 19:14:37 Nachmittag
Ich verstehe nur Bahnhof  :(
Was ist ein Underachiever?  Für mich ist das halt alles Neuland!!! :-[
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Anekdote am Juni 21, 2016, 20:56:40 Nachmittag
Das ist jemand, der nicht seinem Potenzial entsprechende Leistungen bringen kann. Hochbegabte haben Potenzial nicht nur zu hoher, sondern gar zu exzellenter Leistung. Wenn diese dann dauerhaft deutlich sichtbar unter ihrem Potenzial bleiben, kann man von Underachievment sprechen.

Wie man das in der Wissenschaft, vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften, gewöhnt ist, gibt's zu jedem Thema unterschiedliche Auffassungen, Modelle, Theorien etc. Der eine vertritt die, der andere eine andere Meinung.  Beim Thema Underachievment ist es die große Frage, wie man das überhaupt definiert. Da streiten sich die Gelehrten. Die Frage ist insofern nicht unwichtig, weil man davon ja wichtige Förderentscheidungen abhängig macht. Erachtet man es normal, dass ein Kind mit Dreiern und Vierern nach Hause kommt oder sucht man zu erforschen, warum ein hoch intelligentes Kind nicht bessere Noten schreibt, die ihm den Weg zur höheren Schulform ermöglichen würden.

Wenn ein hochbegabtes Kind bereits im Rahmen der Grundschule nur Leistungen im Durchschnitt oder darunter bringt, gibt das schon berechtigten Anlass sich ernsthaft Gedanken zu machen. Anspruchshaltung der Eltern hin und her. Meine Meinung!

Es hat auch was mit dem Selbstbild des Kindes zu tun. Das leidet ja auch, wenn die Noten schlecht sind. Also ist die Frage, ob und wie man da vorgeht. Als erstes ist es wichtig, dass man das Problem überhaupt als solches erkennt, wobei wir wieder bei der Definitionsfrage sind. ;)


Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Conny am Juni 21, 2016, 21:51:10 Nachmittag
Danke Anekdote für die gute Erklärung.  Also genau das worauf ich Antworten such, nicht schlecht!

Um aber rauszufinden, ob jemand ein Underachiever ist, sollte man doch erstmal alles andere ausschließlich?  Dann kommt aber wiefer das " WIE!!!
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: regina fenk am Juni 22, 2016, 07:44:08 Vormittag
@conny: was meinst du denn  mit "alles andere ausschließen"? Mangelnde intelligenz  :D :D ? ich meine, wir reden hier i.a. ja von kinder, die entweder hb getestet sind oder bei denen man durch ihr verhalten schließen kann, dass sie überdurchschnittlich begabt sind. wenn diese kinder in der schule dann nur durchschnittsleistungen erbringen, bleiben sie klar hinter ihren möglichkeiten zurück. (und das hat mit den erwartungshaltungen der eltern wenig zu tun, das ist eine logische folgerung.)

und die (hoch)begabungsforschung nimmt an, dass das nicht gesund ist. weil kein positives Selbstbild, keine anstrengungsbereitschaft, keine freude am lernen aufgebaut wird, und weil man selbst irgendwie weiß, dass man hinter dem zurückbleibt, was man könnte...

ausschließen sollte man nur den einfluss von aktuellen Krisensituationen, Krankheiten und "Beeeinträchtigungen" wie LRS.

Underschiever gibt es übrigens nicht nur bei hb kindern, unlängst hab ich gelesen "underachiever ist im österr schulsystem nicht die ausnahme sondern die norm" weil die meisten schüler hinter ihrem potential zurückbleiben. sehr ermutigend  >:(
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Conny am Juni 22, 2016, 09:02:00 Vormittag
Ja, das habe ich schon verstanden,  doch ob ein HB Kind in der Schule unterfordert ist oder eben nicht, das sollte doch zuerst mal rausgefunden werden. Nur weil ein Ki d HB ist, heißt es ja nicht immer gleich automatisch,  das es in der Schule unterfordert ist, nur weil es nicht immer die besten Noten heim bringt. Es gibt auch Kinder mit einer HB, denen der Schulstoff völlig ausreicht und die damit ausgelasstet sind, oder?


Was ich auch meine ist, das mein Junge zu den Kindern gehört,  der eben nicht nur Bestnoten heim bringt, und ich manchmal anzweifel, das er unterfordert ist!  Ich sehe ihn doch Zuhause bei seinen Hausaufgaben!  Vor zwei Tagen hat er zum Beispiel bitterlich geweint,  weil er eine Aufgabe nicht konnte , zudem sagt er selnst ständig,  das er Mathe nicht kann. Vielleicht ist er gar nicht unterfordert? ??!!!
Eine HB ist doch nie gleich,  oder?
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Bika am Juni 22, 2016, 10:06:17 Vormittag
Wenn Kinder unter ihren Möglichkeiten bleiben, kann es doch  auch einfach an einem grundlegenden Desinteresse am Schulstoff liegen.

Vertiefung der Thematiken ,Erhöhung der Komplexitität würden bei meinem Sohn z.b. nichts daran ändern,daß er die Schulthemen einfach uninteressant findet.

Daher gibt es von meiner Seite nur eine Vorgabe, keine Noten schlechter als 2!  :D

Schulerfolg (jedenfalls auf Regelschulen) kann einem Hbchen meist keine Befriedigung bieten,diesen Anspruch hätte ich nie.
Aber wenn mein Kind jetzt nicht akzeptiert,daß gute Noten keinen Selbstzweck haben,sondern langfristig zur Erhaltung von Optionen dienen,lernt er es nie!

Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: regina fenk am Juni 22, 2016, 11:27:38 Vormittag
@conny: also meine kinder jammern auch immer wieder "dass sie mathe nicht können". das hat unterschiedliche ursachen:
1. schule interessiert sie generell nicht (mehr)
2. mathe interessiert sie speziell nicht (mehr)
3. der mathe unterricht ist sooooo langweilig, dass sie mathe hören und schon das hirn abschalten und ohne eben zuzuhören, wie man z.B. schriftlich dividiert, kann auch das hb kind i.a. nicht schriftlich dividieren
4. sie sind es gewohnt, nach einem einzigen blick auf die angabe das ergebnis zu wissen. funktioniert das nicht, heißt das für sie "Ich bin dumm"
5. es fehlen ihnen grundlegende fertigkeiten (z.B. konnte meine große tochter lange nicht das einmalein auswendig, weil es ihr zu blöd war, das zu lernen)

alles das widerspricht in meinen augen nicht der tatsache, dass sie hb sind. es bestätigt aber die tatsache, dass "ihre schule nicht zu ihnen passt" ;-(.
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: kama am Juni 22, 2016, 12:26:03 Nachmittag
@bika: keine Noten schlechter als 2 - auch keine Arbeit mal verhauen? Wow, das nenne ich ganz schöne Ansprüche.

Also ich finde es auch schön, wenn keine 3 im Zeugnis steht, aber erzwingen kann man es ja nicht...
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Bika am Juni 22, 2016, 13:21:55 Nachmittag
@kama,
Bei meiner Tochter bin ich unglaublich erleichtert,wenn sie überwiegend 3er auf dem Zeugnis hat,erleichtert und sehr stolz auf sie!  ;D

Bei meinem Sohn ist das völlig anders.
Er muß kein 1er Zeugnis haben ,Noten haben für uns ,wie schon gesagt ,keinen Selbstzweck.
Aber er soll sich ein wenig disziplinieren,fordere ich das nicht,würde er komplett abschalten.

Ich finde es einfach so unglaublich schade,wenn ich von hochintelligenten Kindern höre,die ohne Schulabschluss bleiben,weil sie sich mit dem Schulsystem nicht arrangieren konnten.Ihre Möglichkeiten sind dann einfach so eingeschränkt.
Das möchte ich bei meinem Sohn,soweit möglich,verhindern!
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Denkerin am Juni 22, 2016, 14:35:35 Nachmittag
Ich schreibe mal als selbst Betroffene, wie sich die Schule so anfühlte.
Ich versuche mich zu erinnern.
Ich weiß genau, dass ich in der Schule herumsaß und grundsätzlich nicht weiter zuhörte oder mich konzentrierte. Ich habe Geschichten geträumt und diese gezeichnet.
Oft war ich total weggetreten  ;D
Mitgearbeitet habe ich schon gar nicht, ich hatte immer panische Angst etwas falsches zu sagen.
Ich hielt mich für dumm. War davon überzeugt nicht lernen zu müssen, weil ich sowieso zu dumm bin.
Ab ca. 5. oder 6. Klasse (Realschule) habe ich keine Hausaufgaben mehr gemacht. Manchmal fand ich wen zum Abschreiben, sonst gab es eben Ärger.
Das tat meinem Ruf in der Klasse besser als brav zu sein.
Trotzdem waren meine Leistungen mittelmäßig... irgendwie blieb doch noch genug hängen für eine drei oder so. Meinen Eltern war das genug.

Getestet wurde ich im Alter von 11 Jahren, was irgendwie mit der Orientierungsstufe zusammen hing. Ein engagierter Lehrer (an den ich mich nicht erinnern kann) muss der Meinung gewesen sein, dass die Leistungen von den Möglichkeiten abweichen.
Meine Eltern gaben trotz dem IQ Wert (den ich nicht kannte) meinem Wunsch nach, dass ich auf die Realschule sollte, wie meine Schwester auch.

Als ich mit Mitte 20 mein Fachabi machte (da hatten sie mir endlich von dem Test erzählt), habe ich mir zuerst Mathebücher aus der Realschule besorgt und die Grundlagen erlernt, die mir fehlten.
In den anderen Fächern ging es auch ohne Grundlagen....  Am Ende hatte ich in allen sehr gute Ergebnisse.

Dummerweise habe ich auch heute noch keine Ahnung, wie man mich hätte motivieren können und an welchem Punkt es schief gelaufen ist.
Der Stoff erschien mir stinklangweilig und ich sah einfach keinen Sinn darin mir das anzuhören. Irgendwann hat man sowieso den Anschluss verloren.

Meine Eltern redeten und redeten, ohne Wirkung. Der Ehrgeiz meiner Schwester war für mich nur ein Hinweis nicht zu versuchen, was sie sowieso besser kann.
Nachhilfelehrer, die meine Eltern bezahlten sagten nach drei Stunden ab, weil sie meine Eltern nicht unnötig das Geld aus der Tasche ziehen wollten, was diese sich absparen mussten.
Ich galt schlicht als stinkfaul und etwas störrisch und verträumt.  :-[ ;)

Gute Noten in der Schule sind für mich nicht zwangsläufig ein Zeichen von hoher Intelligenz.
Dazu braucht es Ehrgeiz, Selbstvertrauen, Geduld und Fleiß. Der Schüler muss dafür irgendwie "ins System passen".

Ich finde es sehr schade, dass auch eigene Erfahrungen nicht immer hilfreich sind im Umgang mit dem eigenen Kind.
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: regina fenk am Juni 22, 2016, 17:50:01 Nachmittag
@bika: keine note schlechter als 2 - wie schaffst du das durchzusetzen?
ich meine, meine kinder könnten das auch erreichen, wenn sie wollten. nur wollen sie halt nicht. das erklärte ziel meiner hb tochter ist es "das schuljahr zu schaffen". da kann ich säuseln, drohen, Belohnungen versprechen - Auswirkung gleich null  :(
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Bika am Juni 22, 2016, 19:59:17 Nachmittag
@regina,ich bin selbst überrascht  :-X

So bin ich gar nicht, bei meiner Tochter ist auch eine 4 völlig in Ordnung.

Aber ,als mein Sohn notentechnisch abrutschte ,haben wir zu ihm gesagt ,keine Noten unter 2,oder du verlässt die Schule!  :o
Das hat er akzeptiert und wenn er im Unterricht döst,schaut er tatsächlich vor einer Arbeit noch mal ins Buch  8).
Er ist aber auch ,im Gegnsatz zu seiner Schweszer ,einfach kein renitentes Kind!

Er nimmt vieles mit stoischem Gleichmut hin,so ist er einfach!

Hätte er das Naturell seiner Schwester ....... ???das klappte nie!!!!  8)

Und das würden wir dann natürlich auch akzeptieren.
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Haola am Juli 21, 2016, 20:16:02 Nachmittag
Mit sehr viel Interesse und vielen AHA-Effekten lese ich die Beiträge in diesem Forum. Aber gerade dieser Beitrag hat mich dazu bewegt, auch meine Meinung und Erfahrungen als Beitrag zu leisten.
Wir haben drei Kinder, die alle auf Ihre ganz eigene Weise Begabungen aufweisen. Lange haben wir keine Notwendigkeit gesehen, einen der drei testen zu lassen. Aber schon im Kindergarten begann ein Weg für uns, den ich mittlerweile sogar als Leidensweg bezeichnen könnte. Unser Ältester (12 Jahre) war schon immer ein sehr introvertiertes Kind, das immer gerne alleine war, sich die Dinge aus der Entfernung angesehen hat und für den Freunde keine Notwendigkeit für sein Leben darstellten. Zu Hause wurden hochwissenschaftliche Diskussionen geführt und Interesse für sehr spezielle Dinge entwickelt. Für uns war dies Normalität, im Kindergarten wurde es zum Problem. Schnell wurden wir darauf hingewiesen, dass wir es unterlassen sollten, ihn mit nicht "altersgerechten" Dingen zu beschäftigen. Mit vier Jahren haben uns die Erzieherinnen dann mitgeteilt, dass sie unser Kind aufgegeben haben. Er müsste sich nunmal anpassen und eine Expertin für Begabungen hat uns nach einer Stunde Beobachtung gesagt, dass er ein ganz normales Kind sei und wir aufhören müssten, ihm alle Fragen zu beantworten. Unser Großer fragte nicht mehr, außer zu Hause, passte sich an. Voller Vorfreude startete er die Schule. Im ersten Jahr war er im "Zehntausender-Bereich" der Zahlen unterwegs, hat sich aber standhaft geweigert, zu schreiben. Wieder schalteten die Pädagogen eine Expertin ein. Diese hat den Verdacht der HB geäußert und den Lehrerinnen erklärt, wie unser Sohn gefördert werden könnte. Ende vom Lied war, dass wir die Schule wechseln mussten, weil die Schule diese vorgeschlagenen Differenzierungsmaßnahmen nicht vereinbar sah mit ihrem pädagogischen Konzept. Neue Schule, erst Enthusiasmus, dann radikaler LEistungsabfalll und zum Schluss war unser Kind der festen Überzeugung, er sei dumm. "Ich muss dumm sein Mama, denn die guten Note bekommen die, die genau das wiedergeben, was der Lehrer gesagt hat. Wer eine Fage mehr stellt, der sollte die Eins bekommen." Er wurde immer stiller. Die Klassenlehrerin reagierte mit Unverständnis für das Thema HB. Schließlich müssten dann die Noten etwas anders sein. Dann der Wechsel auf das Gymnasium. Hoffnung für uns alle. Schnell wurde uns gesagt, er sei zu still. Mündliche Mitarbeit werde mit mind. 50 Prozent gewertet. Meiner Meinung nach, werden introvertierte Kinder häufig verkannt. Es werden sehr viele Gruppenarbeiten gefordert und unser Sohn sagt mit Recht: "Woher will die Lehrerin wissen, was ich weiß, wenn immer alle als Gruppe bewertet werden?"  Lösungen, die nicht vorgesehen sind, werden auch nicht bewertet. An einer Schule mit 1700 Schülern ist es natürlich sehr schwer, dass einzelne Kind wirklich wahrzunehmen. Aber da sehe ich Fehler im System. Unser Sohn landet im Förderunterricht statt im Forderunterricht.
Letztendlich haben wir ihn doch testen lassen. Das Ergebnis ist ein IQ-Wert von 146. Er selber hält sich immer noch für durchschnittlich und die Lehrer bewerten ihn genauso.
Für uns als Eltern ist es sehr schwer, weil wir das Gefühl haben, allein gelassen zu werden. Unser Sohn kann sich sehr schwer selber motivieren, da er keine positive Resonanz von seinen Lehrern bekommt und er nicht mehr weiß, wofür. Ziemlich deprimierende Situation und für mich eindeutig als "underchiever" zu bezeichnen. Unser Schulsystem sieht häufig keine Kinder vor, die nach oben rausfallen. Für mich heißt Inklusion aber, dass nicht nur die 3 Prozent nach unten gefördert werden, sondern auch die 3 Prozent nach oben. Viele Lehrer sind noch viel zuwenig informiert und überfordert.
Entschuldigung für diesen langen Text, aber viel kürzer ging nicht.
Ich freue mich auf alle Reaktionen.
 
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Bika am Juli 22, 2016, 14:35:20 Nachmittag
Oh,

das klingt echt doof!! :-[
Armer Kerl!
In welche Klasse kommt er den nun ,in die 7.?

Dein Sohn ist ja ein besonders schlaues Kerlchen,sogar höchstbegabt!

Wirklich unfassbar,in einem Land zu leben,in dem das System es billigend in Kauf nimmt,dass so ein Potential ungenutzt vor sich her dümpelt! >:(

Dass stille Kinder für ihre Art mehr oder weniger benotet werden,halte ich auch für zutiefst ungerecht !!!
Ich habe mich schon öfter gefragt,ob das eigentlich nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstößt!!

Hättet ihr denn noch schulische Optionen?
Es gäbe ja auch HB Internate,deren Zielgruppe gerade Underchiever sind!

Vielleicht könnte man längerfristig auch mal in diese Richtung denken.

Aber trotz aller Probleme.
hat dein Sohn wenigstens das Glück in einem Elternhaus zu leben,in der seine Begabung auffällt und gewertschätzt wird.
Außerdem pflegt ihr eine begeisterte und anregende Diskussionskultur,somit bekommt er zumindest zu Hause was er braucht!  :)

glg
von Bika
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Anekdote am Juli 22, 2016, 17:56:19 Nachmittag
Hallo Haola,
herzlich willkommen hier.

warum hält er sich denn für dumm? Er ist ja nun wirklich alt genug, dass man ihm mal das Testergebnis erklären könnte.

Ansonsten gehört er würde ich sagen zu den Kindern, wo Probleme sehr erwartbar sind. Er ist doch schon eine ganze Ecke vom Durchschnitt, auf den das ganze Schulsystem aufgebaut ist, entfernt. Gibt es Hochbegabtenschulen in eurer Nähe? Ich würde mich wirklich einmal damit beschäftigen.

Was man euch erzählt hat, wie ihr mit ihm umzugehen habt, ohne Worte. Und das von vermeintlichen Experten.  p)
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Schreiberlehrling am Juli 23, 2016, 18:56:17 Nachmittag
Als Erstes eine kleine Erklärung: Schreiberlehrling ist Haola ;D

Danke für eure Reaktionen.

Wir haben schon in sehr viele Richtungen gedacht, aber die Möglichkeiten sind hier sehr eingeschränkt.

Ja, wir haben ihm sein Testergebnis erklärt und seit dem geht es ihm auch etwas besser. Trotzdem ist er von seinem Potenzial nicht überzeugt, da ihm in der Schule etwas anderes suggeriert wird.

Momentan sehen wir einen kleinen Hoffningsschimmer, da wir kürzlich ein Gespräch mit einer Beratungslehrerin hatten, die ihm mehrere Optionen gezeigt hat, wie eine Förderung aussehen könnte. Seine Klassenlehrerin sieht es ganz anders und wir sind mal gespannt, wie die siebte Klasse startet.

Jetzt muss sich nurnoch unser Großer selber vertrauen. Er hat sehr große Versagensängsten.

Ein muss ich noch erzählen. Nach dem Test habe ich unser Kind das erste Mal in seinem Leben erschöpft und müde erlebt. Er stellte tatsächlich nicht eine Frage mehr.....die kamen dann geballt am nächsten Tag ???

Viele Grüße
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Anekdote am Juli 23, 2016, 19:37:44 Nachmittag
Ein zwölfjähriger Höchstbegabter in der 7. Klasse? Warum gab es nie die Gelegenheit zum Sprung für ihn? Er muss sich ja seit Jahren tatsächlich vorkommen wie im Kasperltheater.

Also irgendwie wundert es mich nicht, dass er da verkümmert. Ich würde wirklich versuchen, ihn weiter zu bringen. Diese Kinder sind im Kopf ihrer Altersgruppe weit voraus, mit einem Sprung korrigiert man das ein wenig.  Wir haben einen 12-jährigem in der Klasse meiner Tochter, der ist im selben Alter in der Hochbegabtenklasse noch nicht recht ausgelastet. Und das ist demnächst die 9.
 p)



 
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Schreiberlehrling am Juli 25, 2016, 17:45:17 Nachmittag
Das macht uns ja so hilflos. Die Lehrer, mit denen wir die letzten Jahre zu tun hatten, haben ihn ganz anders wahrgenommen. Den Test wollten sie nicht sehen und eine eingeschaltete Schulpsychologin hat ihn Bilder seiner Familie zeichnen lassen und gemeint, dass sie anhand dieser die Intelligenz beurteilen könnte. Wir sollten ihm nicht noch das Gefühl geben, er sei Elite. Diese Äußerung tat sie vor der Klassenlehrerin, die dann fragte, ob die Schule nun in der Pflicht sei, etwas zu tun. Dies wurde von der Psychologin verneint.

Wir geben ja nicht auf, aber es ist ein sehr zermürbender Kampf.

Sein Manko ist, dass seine schriftlichen Leistungen nicht überzeugend sind. Er gerät immer sehr schnell in Streß und kann seine Leistungen dann nicht hundertprozentig abrufen.

Deshalb traut er sich selber den Sprung auch nicht zu.

Er wird in der siebten Klasse dann am Differenzierungsunterricht der 8. Klasse teilnehmen. Vielleicht/hoffentlich merkt er dann, dass er viel mehr kann, als er glaubt.

Laut unserem Gutachten ist er auf dem Stand eines siebzehnjährigen, was einen Teil seiner sozialen Probleme auch erklärt.

Ich werde weiter berichten ;)
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Anekdote am Juli 26, 2016, 08:54:28 Vormittag
Die Situation mit der Schulpsychologin klingt haarsträubend. Ich weiß nicht, ob ich ihn da nicht herausgenommen hätte. Kommt auf die Handlungsmöglichkeiten insgesamt an. Aber ich wäre sicher im Quadrat gesprungen.

Ja, weiter berichten, ja das wäre schön. Doch nun erst einmal Ferien. ;)

Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: sultana am Juli 26, 2016, 09:00:33 Vormittag
wirklich krass Schreiberlehrling !
Ehrlich, er hält noch sehr tapfer durch;
Ich kenne Eltern, die in ein spezielles Internat aufgrund solcher Themen gegangen sind; bzw. die ganze Familie ist in die Nähe vom Internat umgezogen, damit das Kind als Tagegast in die Internatschule gehen kann. Es ist aber natürlich sehr drastisch !
Viel Kraft wünsche ich !
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Schreiberlehrling am Juli 26, 2016, 19:36:23 Nachmittag
Ich bin auch im Sechseck gesprungen. Leider Gottes wäre sie bei einem Schulwechsel auch wieder für uns zuständig. Die Alternativen sind hier nicht so vielfältig....leider
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: regina fenk am August 01, 2016, 21:19:12 Nachmittag
habs jetzt erst gelesen, bin sprachlos!!!!
meine große tochter ist 13 jahre - also wenn der eine psychologin käme mit "jetzt zeichne mal deine familie", denn täte sie ihr "das meint die jetzt aber nicht ernst"-Gesicht aufsetzen - und damit wäre es gelaufen. nie im leben würde sie diese person ernst nehmen und in ihrem kopf würden 1000 fragen ablaufen nach dem wieso und warum. sie würde sich veräppelt fühlen ;-)
wie alt war er denn, als er seine familie zeichnen musste?

außerdem: wie im leben will sie aus der zeichnung seine Intelligenz ablesen???

ich glaube, ein problem der underachiever ist, dass sie vom schulischen umfeld immer die rückmeldung bekommen "du bist mittelmäßig" - irgendwann glauben sie das dann auch. meine tochter glaubt auch von sich, dass sie nicht besonders begabt ist und behauptet, dass "eh jeder eine klasse überspringen kann und im iqtest die 130 übertreffen kann" :(
außerdem schaltet das hirn bei langandauernder unterforderung irgendwann auf "sparflamme" - und dann können sich die kinder "plötzlich" nicht merh konzentriren und merken sich auch nix vom unterricht --- und kommen sich "dumm" vor.

wie steht denn dein sohn zu den "fördermöglichkeiten", die ihm angeboten wurden? würde er da mitmachen?


 

Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Schreiberlehrling am August 02, 2016, 20:08:13 Nachmittag
Als er die Zeichnung machen sollte, war er 11 und hat sich tatsächlich etwas veralbert gefühlt. Er hat dann seine Geschwister in Form ihrer jeweiligen Haustiere gemalt und sich selber als Bartagame (seine geliebte Echse, die er Frau Lehmann getauft hat). Als die Psychologin in ihrer Auswertung meinte, dass die dicke Ente zuviel Platz in der Familie einnehme und er sich selber zu sehr in den Mittelpunkt gerückt hätte, ist mein Geduldsfaden gerissen  >:(

Da war jedes weitere Wort zuviel und es nicht wert, dieses Gespräch weiterzuführen.

Das mit der Sparflamme ist ein guter Vergleich. Es kostet ihn unheimlich Mühe, den Schulvormittag und die Hausaufgaben hinter sich zu bringen. Am Ende des Tages hält er sich immer für mittelmäßig....leider.

Er möchte zu Beginn des nächsten Schuljahres den Biochemiekurs der 8. Klasse besuchen. Auflage der Schule ist, dass er den versäumten Unterricht seiner Klasse dann nachholt. Er sieht das kritisch und fragt meiner Meinung nach nicht zu Unrecht, warum? So habe ich ja Mehrarbeit.

Ganz verstehen tue ich es auch nicht, denn wenn die Schule im dieses Angebot macht und damit ja davon ausgeht, dass er den Stoff der 8. Klasse versteht, warum muss er dann den Stoff der 7. Klasse nachholen? Sehe ich das falsch? So muss er sich in seiner Freizeit wieder mit dem ihm langweiligen Stoff beschäftigen.

Er ist momentan in seiner Motivation sehr schwankend. Wägt das Für und Wider ab.

Des Weiteren bremst ihn die Angst vor Veränderungen sehr.

Drei Wochen hat er noch, bis er sich entscheiden muss.
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Anekdote am August 03, 2016, 00:21:07 Vormittag
Ja, es klingt schon ziemlich absurd, dass er den Stoff von zwei Klassen gleichzeitig machen soll. Aber ich bin auch kein Lehrer. Ich weiß nicht, was in der 8. vlt kommt, was auf den Stoff der 7. aufbaut.  p)

Guck mal, vlt hilft dir das weiter. Da steht auch was drin, dass der Stoff der regulären Klasse mitgemacht wird. Ich denke, dass er einfach auf dem Laufenden bleibt und schaut, was läuft und ja... die Arbeiten mitschreibt.

https://www.berlin.de/sen/bildung/unterricht/individuelles-lernen/fachinfo/mdb-sen-bildung-unterricht-individuelles-lernen-drehtuermodell_d4.pdf (https://www.berlin.de/sen/bildung/unterricht/individuelles-lernen/fachinfo/mdb-sen-bildung-unterricht-individuelles-lernen-drehtuermodell_d4.pdf)

Vlt. kannst du nochmal mit den Lehrern reden, wie das konkret gemeint ist.





Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Bika am August 03, 2016, 01:26:20 Vormittag
Hallo Schreiberlehring,

Das psychodiagnostische Verfahren,was eure Superpsychologin  >:( da angewendet hat ,nennt sich "Familie in Tieren" .
Wenn du das so googelst wirst du schnell fündig .
Es scheint in Fachkreisen als wenig valide zu gelten.
Bei unsere Tochter hat die Psychiaterin dieses Verfahren im Rahmen einer  ADS Diagnostik auch verwendet.
Aber ausschließlich zusätzlich,keinesfalls als aussagekräftiges,alleiniges Diagnosemittel!!!

Ich war ein kleiner hässlicher Hase  >:(, mein Mann ein Riesensaurier!
Frechheit!!!!

Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: basket am August 03, 2016, 08:29:01 Vormittag
Das hat mein Sohn auch schon gemacht. Ich weiß nur noch, dass mein Mann eine häßliche Kröte war.
Lg
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Anekdote am August 03, 2016, 10:02:12 Vormittag
Haha. Ich würde gerne wissen, was hier herauskommen würde. Wahrscheinlich wäre ich die Kröte.
 p)
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: basket am August 03, 2016, 11:39:47 Vormittag
Ich habe echt verdrängt was ich war. Es war aber auch nicht netter 8)
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Lynx am August 03, 2016, 12:06:39 Nachmittag
das musste meine tochter auch machen. ich war ein delfin, ihr bruder ein affe, der papa ein bär und sie ein wolf.  ;D
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: basket am August 03, 2016, 14:34:46 Nachmittag
Mein Sohn wußte nicht es noch:
Ich war ne Kuh, sein Bruder ein Trampeltier und er ein Gepard.
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: sultana am August 04, 2016, 07:15:54 Vormittag
ich finde es ziemlich na ja, aber es würde mich schon interessieren wie wir dargestellt werden  ;)
Wie funktioniert es ? Gibt es eine Auswahl an Tiere als Bild z. B. und das Kind muss aussuchen oder soll es frei sich was ausdenken ?
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: basket am August 04, 2016, 08:10:34 Vormittag
Guten Morgen!
Es gibt keine Vorgaben. Das Kind soll sich selbst was überlegen ;lg
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Denkerin am August 04, 2016, 09:29:48 Vormittag
Das hört sich lustig an, allerdings sehe ich das Problem eher in der Interpretation.
Man muss schon sehr genau einordnen, was das Kind mit einem bestimmten Tier verbindet.
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: regina fenk am August 04, 2016, 17:24:50 Nachmittag
ich würde das verfahren auch nur so anwenden, dass es eine gesprächsgrundlage ist. also dann fragen, wieso wer welches tier ist und welche eigenschaften das kind mit den tieren verbindet. dann kann es schon hinweise liefern, wie wer in der familie erlebt wird. manchmal kommt dem kind dann auch ein spontaner gedanke dazu - z.b. alle tiere können sich wehren, nur ich bin ein fisch; oder: zwischen den beiden .... ist kaum platz...  (oder was auch immer).
aber ich würde NIEMALS daraus schlüsse auf die intelligenz einer kindes ziehen. außerdem hätte ich bei einem besonders begabten kind die befürchtung, dass es das ergebnis in die richtung "sozial erwünscht" gestaltet - und dann macht es gar keinen sinn.
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Schildkröte am August 04, 2016, 20:39:03 Nachmittag
genau,

meine würden auch das "sozial erwünschte" malen.

Original: "Ich kreuz das so an, damit bloss nichts soziales herauskommt" (Potenzialanalyse Berufswahl)
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Anekdote am August 04, 2016, 21:41:36 Nachmittag
 ;D  Berufswahl. Na ihr seid ja zeitig dran.
Titel: Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
Beitrag von: Bika am August 04, 2016, 22:02:33 Nachmittag
Wenn ich es mir gerade so überlege ist es eigentlich nicht hinnehmbar,dass jemand soviel Macht hat,wie wie so eine Schulpsychologin.
Kann man sich da eigentlich nicht bei der Ärztekammer oder woanders beschweren ,wenn jemand ein rein additives 
Verfahren ,ausschließlich nutzt,um daraus ,was überhaupt nicht vorgesehen ist,Aussagen über die allgemeine Intelligenz zu tätigen?