Autor Thema: Ich brauche dringend Rat...  (Gelesen 3440 mal)

Sandra

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Ich brauche dringend Rat...
« am: Oktober 20, 2014, 21:15:19 Nachmittag »
Hallo,

mein Name ist Sandra und ich bin stolze Mutter eines dreijährigen Sohnes. Mein kleiner Sonnenschein ist offenbar aber oft nur mein kleiner Sonnenschein und erfährt durch die Art und Weise, wie er gestrickt ist immer wieder Ablehnung, selbst in der eigenen Familie...:-( Meine Eltern sind schlichtweg mit ihm überfordert, kommen mit seiner Energie und seinem Wissensdurst nicht klar und mit seiner extremen Emotionalität.
Ich habe mich schon durch viel Literatur gekämpft und komme wieder zu dem Punkt, dass mein Kleiner vielleicht hochbegabt sein könnte. Ich will ein bisschen was über seine Entwicklung erzählen...

Bereits im Säuglingsalter war Yannick kein Kind, das ich einfach mal "weglegen" konnte, er hat sich nicht wie andere Kinder groß geschlafen, sondern war extrem neugierig, liebte Geräusche und Stimmen, konnte den Kopf früh halten. Mit etwa zehn Monaten fing er an zu sprechen, seine sprachliche Entwicklung ging rasend vonstatten und er begann schnell in komplexen, ganzen Sätzen zu sprechen. Er war/ ist sehr sensibel, was äußerliche Reize angeht. Zum Beispiel war es unmöglich mit ihm Örtlichkeiten zu besuchen, wo viele Menschen auf kleinem Raum durcheinander sprachen. Nicht einmal in den eigenen vier Wänden konnte er Besuch ertragen. Er war maßlos überfordert und seine Stimmung kippte schnell. Hilfloses Weinen bis hin zu panikartigem Schreien mit großer körperlicher Aktivität waren oft die Folge...Er entwickelte früh Interesse an eher kindsunüblichen Dingen (zumindest für sein Alter...glaube ich). Er liebte Kehrmaschinen und wollte alles Mögliche darüber wissen. Mit zwei Jahren auf dem Weihnachtsmarkt war er so fasziniert von der Zuckerwattemaschine, dass ich abends mit ihm auf youtube anschauen musste, wie so eine Maschine im Detail funktioniert. Er konnte es dann abends seinem Vater erklären und saß in der Badewanne, fragte mich, ob ich ganz viel Schaum in die Wanne machen könnte und verlangte nach einem Schneebesen und einer farbigen Badetablette. Er rief mich dann, als er Himbeerzuckerwatte selbst hergestellt hatte.
Heute mit 3 Jahren und ca. 5 Monaten diskutiert (!) er alles aus und dealt mit mir, bis ich Argumente anführen kann, die ihn wirklich überzeugen. Desweiteren spüre ich immer wieder, wie er mich mit meinen eigenen Argumenten "schlägt". Er redet sich oftmals in den Schlaf und erzählt MIR Gute-Nacht-Geschichten, die logisch (!) sind.Er lernt schnell und gut auswendig, liebt Lieder und Reime, kennt zum Beispiel die Max und Moritz Geschichten wortgetreu auswendig und spielt diese szenisch mit mir nach. Er hat ein gutes Gedächtnis, sowohl in Bezug auf Personen und Gesichter, als auch in Bezug auf Gesehenes oder Erlebtes. Er weiß ganz genau, was ich ihm am Vortag versprochen habe oder kann mir sagen, wo meine Autoschlüssel liegen, wenn ich sie verbummelt habe.
Er kümmert sich gern um seine Kuscheltiere oder um Babys und kann da sehr fürsorglich sein.
Dann fällt mir auf, dass er sich in Bezug auf seine feinmotorische Entwicklung bereits jetzt selbstkritisch einschätzt. Er weigert sich zu malen, zu bauen oder zu kneten, weil ihm sein eigenes Produkt nicht gefällt. "Mama, bitte mach du das. Bei dir sieht es hübscher aus!" Nur mühsam kriege ich ihn dazu, es selbst zu probieren und hoffe, dass ich mit Wertschätzung seiner Ergebnisse (zum Beispiel Aufhängen von Bilder in der Wohnung etc.) erreiche, dass er zumindest zufrieden ist.
Im Kindergarten beschreiben ihn die Erzieherinnen als sehr selbstständig, er hat den Tagesablauf schnell durchschaut und organisiert sich größtenteils selbst. Aber er ist nicht besonders beliebt. Die Kinder beschweren sich oft über ihn, dass er sie kneift und kratzt oder beißt. Zu Hause beobachte ich auch, dass er mit Sowas anfängt, wenn er müde wird. Ich hab das Gefühl, er puscht sich damit wach, denn schlafen will er nicht. Ich kann hier zu Hause dann eine Runde mit ihm toben und danach in aller Ruhe was lesen. Im KIGA funktioniert das natürlich nicht.
Dann sagten mir die Erzieherinnen, Yannick sei ein Kind, das wenig fröhlich ist, beziehungsweise wenig lacht. Hmmm... das empfinde ich eigentlich nicht so, aber ich weiß, dass er ein Grübler ist und alles hinterfragen und genau wissen muss und eben viel über alles nachdenkt. Er liebt kuscheln und streicheln, genauso wie Bücher anschauen und vorlesen, Rollenspiele und Toben, aber alles irgendwie ein bisschen "anders". Fällt mir schwer, das zu beschreiben. Er spielt auch nicht gern allein, sondern fordert mich oder meinen Mann immer wieder dazu auf mit ihm zu spielen. Dann müssen wir uns meistens einem seiner Rollenspielideen hingeben, in denen er die Rollen ganz klar festlegt und bestimmt, wer was wie zu spielen und zu sagen hat. Das Zusammenspielen mit anderen Kindern fällt ihm schwer. Einerseits hat er Angst um sein Spielzeug und dessen besonderen Arrangements. Andererseits erträgt er es nicht, wenn mein Mann oder ich uns anderen Kindern zuwenden. Es ist undenkbar ihn irgendwo mit hinzunehmen, wo er seine Umgebung nicht frei erkundschaften kann oder wo er mehr oder weniger zum Stillsitzen genötigt ist. Szenerien, die dieses von ihm verlangen, muss ich nach kurzer Zeit mit ihm verlassen, weil er (so hab ich zumindest das Gefühl) vor Langeweile geradezu durchdreht und ausrastet. Dieses Ausrasten stößt auf großes Unverständnis :( und macht mich sehr traurig und besorgt.
Hochbegabung hat viele Gesichter, das ist mir klar und aktuell ist er auch grad bei einer Kinderpsychologin, die in die Richtung was mit ihm getestet hat. Abschlussgespräch hab ich am Freitag.
Mich würde interessieren, ob es noch andere Eltern hier in diesem Forum gibt, deren Kinder in selbem Alter ähnlich "ticken" (tickten) und wie sie mit ihren Kindern umgehen? Fördern ja - aber wie richtig? Und wie kriegt man es hin, dass diese Kinder auch gerade im sozialen Bereich gut klar kommen? Ich geb mir die allergrößte Mühe ihn auf die Welt da draußen vorzubereiten, die sich prinzipiell mit dem Akzeptieren von Andersartigkeit und Originalität schwer tut, aber ich hab echt Angst, dass mir das nicht gut gelingt...
Danke schon einmal fürs Zuhören und für Ratschläge, Meinungen und Tipps.

Liebe Grüße,
Sandra

Offline Anekdote

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Re: Ich brauche dringend Rat...
« Antwort #1 am: Oktober 20, 2014, 21:47:16 Nachmittag »
Hallo,

du bist freigeschaltet. Wenn du mal genauer hier rein schaust, wird dir einiges bekannt vorkommen. ;) Wie reagiert er denn an "ruhigeren" Tagen?.Es sieht aus, als sei dein Sohn nicht nur clever , sondern auch noch extrem sensibel. Eine Flut von Reizen überfordert ihn. Das werdet ihr wohl berücksichtigen müssen. Lass ihn nur so lange wie nötig in der Kita und dann vlt lieber nochmal an die frische Luft, auf den Spielplatz oder was ihm gut tut. Verschone ihn vor Einkaufstouren u. ä.  binde da deinen Mann mit ein oder mach es, wenn er in der Kita ist. Dein Kleiner wird dir dankbar sein.

Ich hoffe, es wird bald ruhiger und ihr schafft es, seine Energien zu kanalisieren.

LG A

Achso. Wenn er Dinge sieht, die du besser kannst, dann kannst du ihm nur immer wieder sagen, dass du schon viel Zeit zum Üben hattest. Entweder zeig ihm, was du nicht gut kannst (tricksen erlaubt) was nach üben besser geht. Immer wieder fastzinierend zu sehen, was manch Dreijähriger schon kann. Freu dich drüber und schöpfe daraus Kraft. Denk aber auch daran, Pausen für dich einzuplanen.
« Letzte Änderung: Oktober 20, 2014, 22:09:05 Nachmittag von Anekdote »
Liebe Grüße
Anekdote


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Sunny281

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Re: Ich brauche dringend Rat...
« Antwort #2 am: Oktober 21, 2014, 21:10:09 Nachmittag »
Hallo Anekdote,

danke für die Freischaltung und deine Antwort. An ruhigeren Tagen, z.B. an Wochenende genießt er vor allen Dingen die Aufmerksamkeit meines Mannes und mir. Aber es muss schon auch Action sein und Abwechslung zwischen Spiel- und Ruhephasen. Wir versuchen eine gute Mischung aus draußen und drinnen spielen hinzubekommen. Haben Gott sei Dank einen schönen großen Garten und einen großen Hof, wo er sich frei bewegen kann. Wenn er müde wird, kommt er schwer selbst zur Ruhe. Er will auf gar keinen Fall schlafen und fängt dann an sich wach zu puschen, indem er beginnt zu ärgern. Er kneift dann meistens ziemlich heftig. Das ist schwierig, weil er das auch im Kindergarten tut und die Kinder dann natürlich entsprechend reagieren... aber dann ist "Action" und die hindert ihn daran einzuschlafen.
Wann immer es geht, hole ich ihn früher aus dem KIGA ab, aber da ich als Lehrerin in Vollzeit arbeite und weit fahre, ist das nur selten möglich. Zu Hause kuscheln wir meistens erst einmal bei einer Tasse Kakao und erzählen uns vom Tag. Das ist immer ziemlich niedlich, weil er auch immer genau fragt, ob die Kinder in der Schule auch lieb waren :) oder ob sie mich geärgert haben.
Danach spielen wir oft. Dabei sprudelt er oft über vor Kreativität. Wir gehen mit Taschenlampen auf Monsterjagd, suchen einen Schatz und schlüpfen dabei in tausend verschiedene Rollen. Yannick ist beim Spielen ein sehr forderndes Kind, aber es macht auch irre Spaß mit ihm zu spielen, weil er einfach so tolle Ideen hat, die sich Tag für Tag weiterentwickeln. Meine Eltern sind mit dieser Art von Spielen aber völlig überfordert und werfen mir vor, dass ich ihn falsch erziehe, da er nicht alleine spielen könne. Er würde total an mir hängen und sei nicht dazu in der Lage sich mit sich selbst zu beschäftigen. Und wenn er seinen Willen nicht bekommt, dreht er durch. Ich sehe das einfach anders. Er spielt schon auch allein, aber es macht natürlich viel mehr Spaß MIT jemandem zu spielen und wenn eben nur Mama da ist... mit wem soll er auch sonst spielen??? Er langweilt sich schnell, das stimmt und er wird dann auch bockig, wenn ihm langweilig ist. Aber er ist DREI und ich denke manchmal, dass es einfach unfair ist zu erwarten, dass ein Dreijähriger schon adäquate Lösungen zur Bekämpfung von Langeweile entwickelt hat. Meine Eltern geben ihm keine Chance ihn richtig kennenzulernen, sie finden ihn schwierig und aggressiv (!), finden keinen Draht zu ihm... hmmmmm... das macht mich sehr traurig. Für ihn macht es mich traurig. Es sind nicht nur andere Kinder, mit denen er Schwierigkeiten hat aufgrund seiner Andersartigkeit, sondern selbst in der eigenen Familie stößt er auf Ablehnung. Die Eltern meines Mannes können das Gott sei Dank etwas kompensieren und ich bin froh, dass er dort gern ist und ich ihn dort auch mal für ein, zwei Tage lassen kann.
Am Freitag habe ich das Abschlussgespräch bei der Kinderpsychologin, die ihn auf seine Kompetenzen hin getestet hat. Ich bin gespannt, was sie mir erzählt und was sie mir empfiehlt.

Ich hab schon darüber nachgedacht, ihn eventuell über einen längeren Zeitraum regelmäßig psychologisch begleiten zu lassen, vielleicht einmal im Monat einen Termin mit der Kinderpsychologin zu vereinbaren. Wäre so etwas sinnvoll?

Ich klicke mich jetzt noch ein bisschen durchs Forum und danke schon einmal vorab für Ratschläge und Tipps.

LG
Sunny

Offline kama

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Re: Ich brauche dringend Rat...
« Antwort #3 am: Oktober 21, 2014, 23:09:13 Nachmittag »
Hallo Sunny

Wir hatten Probleme mit unserem Sohn und waren beim Psychologen. Aber es ging nicht um ihn sondern nur um uns Eltern. Ich würde mir überlegen ob du vielleicht Rat suchst ...

Unser Sohn hat sich ubrigens sehr verändert und ist ausgeglichener geworden. Ich hatte immer das Gefühl irgendwas hat ihn belastet (für uns) und wir haben ihm die Last genommen, weil wir uns um uns gekümmert haben.

Offline Anekdote

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Re: Ich brauche dringend Rat...
« Antwort #4 am: Oktober 22, 2014, 11:03:27 Vormittag »
Hallo Sunny,

ja er ist drei und damit ist er noch klein und ja, er kann schlecht schon selbst reflektieren und irgendwelche Lösungen für seine Probleme finden. Ein Kind reagiert auf ein Problem erst einmal emotional. Das wird er schrittweise lernen müssen und sicher auch lernen. Momentan hat er damit so seine Problemchen, andere Kinder nicht, die haben dafür wahrscheinlich andere Problemchen. Jedes Kind ist anders, man muss sie nehmen wie sie kommen.

Richtig schade (wie eben bereits geschrieben), dass deine Eltern so reagieren. Ich hoffe, das bessert sich wieder. Ansonsten bleibt dir wohl vorerst nix, als Besuche einzuschränken, sonst bringt euch das Verhältnis ja auch nur Frust.
Liebe Grüße
Anekdote


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grypps

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Re: Ich brauche dringend Rat...
« Antwort #5 am: Oktober 22, 2014, 14:17:14 Nachmittag »
wir haben bei unseren, gerade beim mittleren, der ist auch gleich immer hochgefahren, die Unterforderung mit Lego ausgeglichen. Als Beispiel baut unser 5 jähriger mittlerweile Lego Technic Modelle für 12 jährige alleine.

Sucht nach Wegen aus der Unterforderung, als Beispiel nicht unbedingt "altersgerechtes Spielzeug" nehmen

Immer nach dem "Wann passieren diese Ausraster" schauen. Diese Kinder benutzten Mechanismen, die normalen Kindern völlig fremd sind und bitte nicht vergessen auch negative Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit. Wenn im Kopf ein Ferrarimotor ist und in den Beinen und Händen sitz ein Trecker, wird das unausweichleich zu Herausforderungen führen.

Offline kama

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Re: Ich brauche dringend Rat...
« Antwort #6 am: Oktober 22, 2014, 15:54:57 Nachmittag »
Hallo Sunny,

ich kenne Deine Situation - zumindest glaube ich zu wissen, wie es ist, wenn das Kind einfach nicht die Bücher "So benehmen sich 3 Jährige" gelesen hat  ;) Kritik aus der eigenen Familie ist besonders schwer, sucht man doch oft auch die Anerkennung der Eltern - auch in Erziehungsfragen. (Zumindest ist es bei mir so). Und wenn das Kind nicht sich so verhält, wie es erwartet wird, gerät alles aus dem Gleichgewicht. Darauf zielte ich ab, wenn ich schrieb, dass eine Beratung vielleicht über Dich gehen sollte. Bei uns waren es die Erwartungen aus der Familie und aus dem Umfeld, ein funktionierendes Kind zu liefern, die nicht immer erfreuliche Diskussionen zwischen mir und meinem Mann initiierten, die dann irgendwie auf Junior wieder zurückfielen. Wir suchten seinerzeit Rat wegen unseres Sohnes und lernten Verständnis füreinander aufzubringen. Und so bekam unser Sohn den Raum und offensichtlich auch den Rückhalt und die Sicherheit, die er brauchte. (Anders kann ich es mir es nicht erklären, denn obwohl er keine "Therapie" hat - einmal wurde seine Situation von der Psychologin in der normale angeschaut - kam es zu einer drastischen Veränderung, so dass mein Mann und ich immer sagten: wenn er so gewesen wäre, hätten wir nie um Hilfe gefragt)

Wenn ich Deinen Beitrag lese, habe ich das Gefühl, dass Du das Spiel mit Deinem Sohn geniesst. Das ist doch erstmal sehr schön und solltest Du unbedingt bewahren.

Er wird sich anfangen mit anderen Kindern zu beschäftigen. Klar wäre es gut, wenn er sich mehr öffnen würde. Macht er aber im Moment nicht. Du sagst, er kann alleine spielen - was heisst das? Wird vielleicht ein wenig zu viel von ihm erwartet?

Was macht ihr, wenn ihr wirklich keine Zeit habt? Wie ist es, wenn ihr z. B. telefoniert, ihr mit dem Haushalt beschäftigt seid? Es gibt ja viele Momente, in denen nicht alles liegen bleiben kann und der Spass mit dem Kind im Vordergrund steht. Lässt er dies zu? Dann wäre für mich die Welt zumindestens halb in Ordnung  ;)

Sunny281

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Re: Ich brauche dringend Rat...
« Antwort #7 am: Oktober 23, 2014, 20:25:05 Nachmittag »
Hallo Sunny

Wir hatten Probleme mit unserem Sohn und waren beim Psychologen. Aber es ging nicht um ihn sondern nur um uns Eltern. Ich würde mir überlegen ob du vielleicht Rat suchst ...

Unser Sohn hat sich ubrigens sehr verändert und ist ausgeglichener geworden. Ich hatte immer das Gefühl irgendwas hat ihn belastet (für uns) und wir haben ihm die Last genommen, weil wir uns um uns gekümmert haben.

Hallo,
ich denke, es geht irgendwie immer in erster Linie um die "Schulung" der Eltern. Ich gehe nie von Defiziten aus, wenn ich mein Kind betrachte, aber sehe, dass Yannick in bestimmten Systemen nicht klar kommt, weil er sich eben nicht "normgerecht" verhält. Als ich Yannick bei der Kinderpsychologin vorstellte, war meine dringende Bitte, dass mein Mann und ich Hilfe und Tipps im Umgang mit ihm bekommen. Was können wir als Eltern, als Paar verändern, damit das System Familie für uns funktioniert? Meinem Mann fallen viele Dinge im Umgang mit Yannick schwerer als mir, vor allem, weil Yannick dann auch oft sehr auf mich fixiert ist und Papa nix darf. Aber es gelingt uns abends in Ruhe bei einem Glas Wein zu reden und gemeinsam zu überlegen, was könnte anders laufen. Wir geben uns da beide die größte Mühe und wenn ich so als Lehrerin in meine Klasse schaue, dann kann man sich heutzutage als Kind schon glücklich schätzen, wenn man a) Mama und Papa hat und wenn b) die Eltern dann auch ein gemeinsames Interesse an der Entwicklung des Kindes haben, miteinander sprechen und sich gemeinsam sorgen. Daher denke ich, sind wir auf einem guten Weg ;-)
Ich freue mich auf unseren Familienurlaub in zwei Wochen, so viel Zeit füreinander als Familie haben wir selten. Die Seele baumeln lassen und einfach eine Woche lang nur das machen, wozu man Lust hat - traumhaft!!!

Sunny281

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Re: Ich brauche dringend Rat...
« Antwort #8 am: Oktober 23, 2014, 20:51:11 Nachmittag »
wir haben bei unseren, gerade beim mittleren, der ist auch gleich immer hochgefahren, die Unterforderung mit Lego ausgeglichen. Als Beispiel baut unser 5 jähriger mittlerweile Lego Technic Modelle für 12 jährige alleine.

Sucht nach Wegen aus der Unterforderung, als Beispiel nicht unbedingt "altersgerechtes Spielzeug" nehmen

Immer nach dem "Wann passieren diese Ausraster" schauen. Diese Kinder benutzten Mechanismen, die normalen Kindern völlig fremd sind und bitte nicht vergessen auch negative Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit. Wenn im Kopf ein Ferrarimotor ist und in den Beinen und Händen sitz ein Trecker, wird das unausweichleich zu Herausforderungen führen.

Ja, Wege aus der Unterforderung zu finden ist nicht das Problem, ich kann ihm nur nicht in jeder Situation diese Auswege bieten. Zu Hause habe ich endlos viele Möglichkeiten, woanders ist das nicht immer leicht. Er baut nicht, er malt nicht, er spielt Theater. Er verkleidet sich und Theater spielt man nicht allein  :D
Also bekomme ich Rollen. Ich mache das gern, aber er "frisst mich auf". Sodass zum Beispiel meine Mutter mir sagt, wenn ich zu Besuch bin, dass sie ja gar nichts von mir hat, weil ich ja nur dafür da bin, das Kind zu "bespaßen".
Zu Hause versteckt er die Frühstückseier und ist der Osterhase, der Weihnachtsmann, der Postbote, der Bäcker... was auch immer. Hier hat er aber auch sein ganzes Equipment und jemanden, der diese Dinge gern mit ihm spielt. Und hier darf er verrückt sein und abstruse Ideen haben, sein Zimmer in eine Dunkelkammer verwandeln und meinen Schmuck in einer Schatzkiste verstecken - HIER entwickelt er seine Ideen weiter und seiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. (Lediglich aufräumen muss er hinterher wieder mit mir  :D)
Ich weiß, er wird älter werden und seine Interessen werden mit ihm wachsen, aber jetzt gerade in der IST-Situation ist es nicht leicht, seine Unterforderung auszugleichen, wenn ich woanders mit ihm bin.

Sunny281

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Re: Ich brauche dringend Rat...
« Antwort #9 am: Oktober 23, 2014, 20:55:20 Nachmittag »
Hallo Sunny,

ja er ist drei und damit ist er noch klein und ja, er kann schlecht schon selbst reflektieren und irgendwelche Lösungen für seine Probleme finden. Ein Kind reagiert auf ein Problem erst einmal emotional. Das wird er schrittweise lernen müssen und sicher auch lernen. Momentan hat er damit so seine Problemchen, andere Kinder nicht, die haben dafür wahrscheinlich andere Problemchen. Jedes Kind ist anders, man muss sie nehmen wie sie kommen.

Richtig schade (wie eben bereits geschrieben), dass deine Eltern so reagieren. Ich hoffe, das bessert sich wieder. Ansonsten bleibt dir wohl vorerst nix, als Besuche einzuschränken, sonst bringt euch das Verhältnis ja auch nur Frust.

Hallo Anekdote,
der Kontakt ist schon eingeschränkt... leider, ich bedaure das sehr. Mein Vater hat ihn jetzt fast ein Jahr nicht mehr gesehen, meine Mutter das letzte und einzige Mal in diesem Jahr zu seinem dritten Geburtstag und das war aus mehreren Gründen eine Katastrophe.
Meine Mutter hat in einem Gespräch ehrlich zugegeben, dass sie überfordert mit ihm ist, sie gibt ihm allerdings auch keine echte Chance, ihn kennenzulernen  :(
Vielleicht wird es irgendwann besser, vorerst beschränkt sich der Kontakt größtenteils auf Telefonate.

Sunny281

  • Gast
Re: Ich brauche dringend Rat...
« Antwort #10 am: Oktober 23, 2014, 21:08:11 Nachmittag »
Hallo Sunny,

ich kenne Deine Situation - zumindest glaube ich zu wissen, wie es ist, wenn das Kind einfach nicht die Bücher "So benehmen sich 3 Jährige" gelesen hat  ;) Kritik aus der eigenen Familie ist besonders schwer, sucht man doch oft auch die Anerkennung der Eltern - auch in Erziehungsfragen. (Zumindest ist es bei mir so). Und wenn das Kind nicht sich so verhält, wie es erwartet wird, gerät alles aus dem Gleichgewicht. Darauf zielte ich ab, wenn ich schrieb, dass eine Beratung vielleicht über Dich gehen sollte. Bei uns waren es die Erwartungen aus der Familie und aus dem Umfeld, ein funktionierendes Kind zu liefern, die nicht immer erfreuliche Diskussionen zwischen mir und meinem Mann initiierten, die dann irgendwie auf Junior wieder zurückfielen. Wir suchten seinerzeit Rat wegen unseres Sohnes und lernten Verständnis füreinander aufzubringen. Und so bekam unser Sohn den Raum und offensichtlich auch den Rückhalt und die Sicherheit, die er brauchte. (Anders kann ich es mir es nicht erklären, denn obwohl er keine "Therapie" hat - einmal wurde seine Situation von der Psychologin in der normale angeschaut - kam es zu einer drastischen Veränderung, so dass mein Mann und ich immer sagten: wenn er so gewesen wäre, hätten wir nie um Hilfe gefragt)

Wenn ich Deinen Beitrag lese, habe ich das Gefühl, dass Du das Spiel mit Deinem Sohn geniesst. Das ist doch erstmal sehr schön und solltest Du unbedingt bewahren.

Er wird sich anfangen mit anderen Kindern zu beschäftigen. Klar wäre es gut, wenn er sich mehr öffnen würde. Macht er aber im Moment nicht. Du sagst, er kann alleine spielen - was heisst das? Wird vielleicht ein wenig zu viel von ihm erwartet?

Was macht ihr, wenn ihr wirklich keine Zeit habt? Wie ist es, wenn ihr z. B. telefoniert, ihr mit dem Haushalt beschäftigt seid? Es gibt ja viele Momente, in denen nicht alles liegen bleiben kann und der Spass mit dem Kind im Vordergrund steht. Lässt er dies zu? Dann wäre für mich die Welt zumindestens halb in Ordnung  ;)

Hallo,
ich erwarte nicht von einem Dreijährigen, dass er stundenlang in seinem Zimmer hockt und sich allein beschäftigt. Ich bin zufrieden mit seinem Spielverhalten, es sind andere, die ihn anstrengend finden. Ich find mein Kind geil ;)
Er spielt gern mit seiner Knete und verwurstet alles irgendwie zu "Lebensmitteln" für seine Kinderküche. Er schneidet sich Mais und spielt "Popcorn" machen und ich stehe in der Küche, räume die Spülmaschine aus und höre ihn laut: "Pop, popopop, poop!", rufen.
Ich kann meinen Haushalt machen und auch telefonieren, das geht alles. Es kann aber sein, dass am Ende des Telefonats mein halbes Küchenequipment in seinem Zimmer verschwunden ist, weil er einfach alles für irgendwas gebrauchen kann. Aber das ist okay für mich, er spielt total schön, ja und mein Gott, wenn Mamas Töpfe eben toller sind, weil sie größer sind und mehr reinpasst... :P
Andere Kinder lässt er ungern in sein Zimmer und er lässt sie auch ungern mit seinen Sachen spielen. Yannick hat viele Arrangements in seinem Zimmer, bestimmte Dinge, sind auf eine bestimme Art und weise so drapiert, dass sie um Himmels Willen niemand verändern darf. Seine Kinderküche und sein Holzbackofen sind sein Heiligtum, aber auch sein Autoschrotthaufen darf nicht angefasst werden. Das ist natürlich schwierig, wenn andere Kinder da sind. Er hat mir vorgeschlagen, ich könnte ja das Zimmer abschließen, wenn Besuch kommt... :-X, ein anderer Vorschlag seinerseits war, er wählt Spielzeug aus, mit denen Kind XY spielen darf und das Kind spielt dann eben im Esszimmer... Schlingel!
Beim letzten Besuch hat es ganz gut geklappt, weil ich ihm versprochen hab, seine Kinderküche in mein Arbeitszimmer zu stellen. Er stand zwar immer noch total unter Stress, aber er hat es ertragen, dass ein anderes Kind an seinem Tisch saß und mit seiner Knete gespielt hat. Ein Anfang... 8)