Autor Thema: Hochbegabung im Job  (Gelesen 579 mal)

Offline steffen

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Hochbegabung im Job
« am: August 09, 2018, 10:15:05 Vormittag »
Hallo,

ich bin ein erwachsener Hochbegabter (IQ = 140) und neu hier im Forum.

Ich suche Rat, da ich auf der Arbeit immer wieder Probleme habe und ich deswegen auch entlassen wurde. Mein Chef bezeichnete mich schon als zerstreuter Professor. Zu meiner Hochbegabung kommt dann nämlich auch noch ADS. In einem Großraumbüro bin ich ständig abgelenkt. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Hauptprobleme durch die Hochbegabung verursacht werden.

Ich habe einen Masterabschluss als Ingenieur und bin dann als Quereinsteiger im Softwarebereich gelandet. Als Grund meiner letzten Entlassung meinte mein Chef einfach nur, dass ich zu zerstreut bin. Ich habe hunderte Interessen und war wohl der einzige Generalist in der Firma. Alle sind Spezialisten und machten in ihrem Leben nichts anderes als IT. Ich interessiere mich für IT, Mathe, Physik, E-Technik, Philosophie, Psychologie, Politik, Kunst und noch vieles andere. Doch wo soll man arbeiten, wenn man in hundert Sachen gut und in keiner sehr gut ist?

Welches sind andere Probleme von Hochbegabten im Joballtag, die mir vielleicht so nicht bewusst waren?

Ein weiteres Problem ist auch, dass ich unter Druck nicht sofort antworten kann. Dabei setze ich mich auch selbst unter Druck. Also wenn der Chef fragt, woran man die letzten zwei Tage gearbeitet hat, dann brauche ich erstmal 20 s Bedenkzeit. Aber diese Zeit nehme ich mir nicht, und stottere rum, was einen sehr unprofessionellen Eindruck macht.

Lieben Gruß
Steffen

Offline Bika

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Re: Hochbegabung im Job
« Antwort #1 am: August 10, 2018, 12:54:30 Nachmittag »
Hallo Steffen,

Eigentlich mußt du es eher andersherum betrachten.
Deine HB kompensiert deine Aufmerksamkeitsstörung etwas, durch sie bist du trotzdem, wenn auch eingeschränkt, leistungsfähig.

Bei einer eindeutigen Hochbegabung, ohne ADS, ist eine breite Streuung auf verschiedene Interessengebiete nicht problematisch, weil man sich uneingeschränkt auf Themen konzentrieren kann und ungewollt aktivierte Assoziationsketten, bewußt stoppen kann.
Genau das  kann ein ADSler nicht.
Seine Gedankengänge  verästeln sich immer mehr und er kommt nicht oder oder nicht schnell genug zu zielführenden Ergebnissen

Leistung punktgenau und unter Druck sicher abzuliefern, gelingt nicht zuverlässig.

Mal kommt das Genie durch und beeindruckt den Chef, mal gelingt es kaum, einfache Arbeitergebnisse zeitnah zu präsentieren (weil man vielleicht gerade von faszinierenden, artverwandten Themen und Gedanken abgelenkt wurde) und der Chef ist  irritiert.

Ich würde dringend raten, die ADS zu therapieren.

LG


Offline Anekdote

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Re: Hochbegabung im Job
« Antwort #2 am: August 18, 2018, 00:18:19 Vormittag »
Hallo Steffen,

herzlich willkommen.

Ich weiß noch nicht, ob ich dir helfen kann. Das mit dem großen Büro und den vielen Ablenkungsquellen... Mir geht das gerade auch so. Ich weiß nicht, ob man unbedingt AD(H)S haben muss, um da leistungsmäßig eingeschränkt zu sein. Ich hatte mal den Verdacht, selbst auch ADS zu haben, habe nie ein abschließendes Ergebnis bekommen.
Aber ich denke noch, gemessen an den Arbeitsumständen, liefere ich noch ganz gute Arbeit ab. ich bin denke ich mein härtester Kritiker bzw. die härteste Kritikerin. Vlt ist das ja bei dir ähnlich? Wie sehen denn deine Arbeitsergebnisse aus. Erfüllst du die an dich gestellten Erwartungen? Wenn ja, dann wäre ja eigentlich alles gut.
Die Frage, ob dich derJob erfüllt,ist noch eine ganz andere.

Die Frage, wie man mit dem Chef spricht, ist denke ich eine andere. Was du da schilderst,  könnte ich sicher auch, also rumstottern nach so einer Frage. Das kommt bei mir aber auf den Gegenüber an. Ich habe eine Chefin, die wirklich sehr freundlich und umgänglich ist, ebenso wie die meisten Kollegen.Da ist man generell lockerer. Wenn du auf so eine Frage nicht recht antworten kannst, mach dir doch einen Spickzettel. Schreib auf, woran du arbeitest, bzw. was du erledigt hast. Wenn du wieder gefragt wirst, schau kurz drauf, dann kannst du antworten. Im Übrigen lässt sich an den Themen Schlagfertigkeit/Kommunikation/Präsentation arbeiten.

Bika. Wie therapiert man als Erwachsene/r eine ADS?

Liebe Grüße
Anekdote


Leben ist das was passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. - John Lennon

Offline Bika

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Re: Hochbegabung im Job
« Antwort #3 am: August 21, 2018, 00:11:31 Vormittag »
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Bika. Wie therapiert man als Erwachsene/r eine ADS?

Offline Bika

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Re: Hochbegabung im Job
« Antwort #4 am: August 21, 2018, 00:18:21 Vormittag »
UPS, zu früh abgeschickt. ::)

@anekdote

Im Grunde  wie bei Kindern und Jugendlichen.
Wenn die Symptomatik mit starkem Leidensdruck einhergeht und die Diagnose  gesichert ist, würde ich mir Ritalin
( z.b Medikinet adult) verschreiben lassen und mich auf die Warteliste für eine Verhaltenstherapie setzen lassen.
Dauert natürlich ewig. :(

LG

Offline regina fenk

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Re: Hochbegabung im Job
« Antwort #5 am: August 30, 2018, 18:15:10 Nachmittag »
hallo steffen,

ich würde in dem, was du schreibst, auch nicht unbedingt hinweise auf AD(H)S sehen. in einem großraumbüro - oder einer schulklasse - schwierigkeiten zu haben, sich zu konzentrieren, kann auch an einer "gesteigerten wahrnehmungsfähigkeit" liegen (und die soll ja laut einiger theorien mit hb zusammenhängen) - oder auch am wunsch, zu kontrollieren, was so rundherum läuft.

du schreibst, dass "zerstreut sein" ein grund für die lösung des arbeitsverhätnisses war. mir sind da auch immer wieder dumme fehler passiert, z.B. dass ich einen text abgegeben habe, wo noch eine Tabelle fehlte oder so. oder wo noch tippfehler drin waren, weil ich auf das letzte korrekturlesen vergessen habe. da helfen listen und strenge disziplin mit sich selber.

ja, ich finde es auch schade, dass es den beruf des "universalgelehrten" nicht mehr gibt - würde mich sofort dafür bewerben ;-).
lg

Offline steffen

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Re: Hochbegabung im Job
« Antwort #6 am: September 05, 2018, 09:52:47 Vormittag »
Bei mir wurde das AD(H)S ziemlich sicher diagnostiziert.
Obwohl, man sagte mir dort auch, dass ich nicht hochbegabt sei.
Später bei Mensa hatte ich dann einen IQ von 140.
Haben die sich eventuell geirrt?

Aber warum ist es überhaupt so schwierig in den Antwortmodus bzw. Vergangenheitsmodus umzuschalten? Vielleicht doch wegen ADS?

Es gibt da übrigens ein interessantes Phänomen. Ständig wenn ich eine monotone Arbeit mache, versuche ich diese Arbeit zu automatisieren oder viel effizienter zu machen. Und das kostet dann auch Zeit. Außerdem beschäftige ich mich teilweise mit sehr komplexen drängenden Problemen der Kollegen. Ich möchte das tun, was der Firma am besten hilft. Der Chef fragt sich dann, was ich da eigentlich mache???? Ich denke, dass ich als Selbständiger sehr gut aufgehoben bin. Musste aber noch meine Angststörung (durch Mobbing verursacht) und Depression überwinden. Ich brauche viel Kraft für die Selbständigkeit. Aber am Ende wird alles gut, oder? :)

Ich nehme seit heute übrigens 20 mg Medikinet.
Seit Jahren mal wieder.

@Bika
Wie therapiert man eine ADS?

@Anekdote
Ja, ich bin sehr gut darin mich selbst zu kritisieren. ;)
Das mit dem Spickzettel muss ich unbedingt machen!
« Letzte Änderung: September 07, 2018, 10:08:11 Vormittag von steffen »

Offline Bika

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Re: Hochbegabung im Job
« Antwort #7 am: September 06, 2018, 10:24:34 Vormittag »
Hallo Steffen,

Hier ist es kurz und prägnant aufgeführt:

https://www.apotheken-umschau.de/Adhs

Gute Psychotherapeuten, die sich die Mühe machen, außerhalb der standardisierten Therapiekonzepte, die Abwehrmechnismen von Hochbegabten zu durchbrechen, sind aber rar gesät.
So meine persönliche, das muß ich ehrlich sagen.

Es gibt sie aber.


LG

Offline Bika

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Re: Hochbegabung im Job
« Antwort #8 am: September 06, 2018, 10:25:57 Vormittag »
ich schiebe noch das Wort
Erfahrung
hinterher :-[

Offline regina fenk

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Re: Hochbegabung im Job
« Antwort #9 am: September 07, 2018, 07:40:39 Vormittag »
vielleicht ist es für einen nicht hb psychotherapeuten auch schwer, diese abwehrmechanismen zu erkennen.

manche hb kinder erkennen ja sehr schnell, was der therapeut hören will und sagen dann genau das. der therapeut findet, das kind arbeitet super mit - nur leider bleibt es an der oberfläche, also rein kognitiv.

ob sich dadurch im verhalten/ befinden nachhaltig etwas ändert, sei dahin gestellt.


aber bei erwachsenen ist er vielleicht einfacher, weil die selbst ihre abwehrstrategien sehen können und bewusst daran arbeiten können.

Offline steffen

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Re: Hochbegabung im Job
« Antwort #10 am: September 07, 2018, 10:10:36 Vormittag »
Also diese Abwehrmechanismen habe ich gar nicht. Aber irgendwie weiß sich mein Therapeut auch nicht zu helfen. :/