Hochbegabte Erwachsene

Hochbegabte Erwachsene
Hochbegabung ist immer eine reiche Gabe. Ob sie als bereichernd gesehen wird und glücklich macht, oder ob sie zum Fluch wird und unglücklich macht, hängt zum Teil davon ab, ob Hochbegabte von ihrer besonderen Gabe überhaupt wissen und was sie daraus machen.
Hochbegabte Erwachsene unterschätzen Ihr Potential und ihre Fähigkeiten im Vergleich zu anderen. Wenn sie getestet werden, sind sich viele von ihnen nicht sicher, ob sie überhaupt überdurchschnittliche Leistungen erbringen werden oder haben sogar die Befürchtung, unterdurchschnittlich schlecht abzuschneiden. Konfrontiert mit ihren hervorragenden Testergebnissen können Sie sie oft nicht nachvollziehen und zweifeln mitunter den Test an. Andauernde Selbstzweifel sind ein großes Thema für Hochbegabte. Eher zweifeln sie ihre Fähigkeiten an, als sie als eine besondere Gabe herauszustellen, geschweige denn, damit anzugeben.
Sie denken sehr viel über sich selbst und ihre Wirkung auf andere nach, gerade wenn sie sich unter Kollegen oder in Gruppen ausgeschlossen fühlen oder den Eindruck haben, sie werden nicht verstanden.

Im Extremfall kann das dazu führen, dass sie Situationen vorweg genau durchdenken, um gegebenenfalls angemessen auf jede mögliche Entwicklung reagieren zu können. Meistens interessieren sie sich für psychologische oder philosophische Fragestellungen, fragen gern nach dem Sinn, denken intensiv über politische Systeme und gesellschaftliche Probleme nach und haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Manchmal beobachten sie, dass Menschen vor ihrer Klugheit Angst haben. Das kann der Student sein, der in einer Vorlesung irgendeine fachliche Theorie kritisch hinterfragt und deswegen Ärger mit seinem  Professor bekommt. Das kann ein kaufmännischer Leiter sein, der zu den Konstruktionsplänen der Ingenieure so versierte Fragen stellt, dass seine Fragen offensiv in Frage gestellt werden. Da die meisten Menschen Angst vor Bloßstellung und Kritik haben, können hochbegabte Erwachsene durch ihre Fragen, Anregungen, Kritik oder Ideen bei den betroffenen Personen großen Stress sowie Zurückweisung und Ablehnung auslösen. Das muss zwar nicht automatisch die Folge sein, geschieht aber oft.  Wie hochbegabte Erwachsene damit umgehen, hängt von ihren jeweiligen Erfahrungen, ihrer Persönlichkeitsstruktur, ihrer gegenwärtigen Selbstzufriedenheit und schließlich auch davon ab, wie wichtig ihnen ein bestimmtes Thema ist.

Eine weitere Fähigkeit, die ich beobachten konnte, ist das autodidaktische Lernen. Begabte Menschen können sich bei Interesse sehr schnell Wissen und Fähigkeiten aneignen, für die andere Menschen deutlich länger brauchen würden. Das können handwerkliche Fähigkeiten, Umgang mit Computerprogrammen, kreative Handlungen wie Schreiben, Malen, Gestalten oder Fotografieren, Heil- oder Meditationstechniken sein, einfach alles, was diese Menschen besonders interessiert. Ihre schnelle Auffassungsgabe kann zu tiefem Wissen führen, muss aber nicht. Genauso gut kann damit eine große Bandbreite von Wissen und Können entstehen.
Ob ein hochbegabter Mensch mit seinem Leben zufrieden und glücklich ist, hängt vor allem davon ab, ob er einen Arbeits- oder Lebensbereich gefunden hat, in dem er seine Fähigkeiten nutzen kann und idealerweise dafür auch von anderen geschätzt wird. Dann  ist er zu Höchstleistungen fähig. Ist so ein Feld noch nicht gefunden, können sich Unzufriedenheiten, Selbstzweifel oder sogar Depressionen entwickeln und ausprägen.
In meiner Arbeit unterstütze ich hochbegabte Menschen, ihr Potential zu entdecken und begleite sie dabei, den Sinn und die Aufgabe ihres Lebens zu finden.

Dipl. Psych. Andreas Niklas ist Mitglied der Expertengruppe für Hochbegabung des Bundes Deutscher Psychologen (BDP) und berät und begleitet hochbegabte Erwachsene in München  www.andreasniklas.de , andreas.niklas@web.de Tel. 089-34076931

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.