Freitag, April 15, 2011 Thema Aktuelles

„Bevor ich Felix testen lasse, muss er erstmal in der Schule leiden.“

von Christine Skupsch

Heute hat mich doch die Wut gepackt, als ich diesen Ausspruch einer Mutter hörte. Sie hat zwei Jungs, 9 und 6 Jahre alt. Der jüngere besucht noch den Kindergarten und wird im Sommer eingeschult. Bei ihm wundert sie sich schon länger über seine Fähigkeit, sich verbal auszudrücken und stellte kürzlich fest, dass er schon im Zahlenraum bis 20 rechnen kann. Nun wurde sie von der Erzieherin im Kindergarten angesprochen, ob bei Felix vielleicht eine Hochbegabung vorläge.

Wir sprechen über die Merkmale eines hochbegabten Kindes, z.B. dass es

  • meist sehr sensibel ist,
  • ein sehr gutes Gedächtnis hat,
  • schon früh komplexe Sachverhalte verstehen und beschreiben kann,
  • wissbegierig ist und die Eltern nervt mit Fragen, für deren Antwort man erst googeln oder in einem Lexikon nachlesen müsste.

All das bestätigt die Mutter. Außerdem erzählt sie, dass Felix in einer Tageszeitung einen Artikel gelesen und eine Bemerkung über die Tätigkeit der Bundeskanzlerin gemacht habe.

Ich berichte von typischen Problemen in der Schule. Ein hochbegabtes Kind

  • findet den Schulstoff meist langweilig,
  • benötigt für Hausaufgaben Stunden,
  • verweigert manchmal den Schulbesuch,
  • hat nur ein sehr geringes Selbstbewusstsein, da es keine Herausforderungen gibt,
  • schreibt zunehmend schlecht benotete Klassenarbeiten usw.

„Ich will das gar nicht so genau wissen, ob er hochbegabt ist. Ich finde, Felix soll erst einmal eingeschult werden und sehen, wie das so ist in der Schule. Wenn er sich dann beschwert, dann denke ich über einen möglichen Test nach und welche Herausforderungen es für ihn gibt. Momentan ist er glücklich im
Kindergarten, also ist doch alles in Ordnung.“

Wie lange wird die Motivation des Jungen und seine Lernlust anhalten nach der Einschulung? Wie viele 6jährige in der ersten Klasse gibt es, die

  • über die Tätigkeiten der Bundeskanzlerin sprechen können,
  • beim hundertfachen Schreiben von einzelnen Buchstaben und Zahlen über die Blattverschwendung, Abholzung des Regenwaldes und die Grüne Lunge nachdenken,
  • sich fragen, warum die Temperatur auf dem Planeten Venus höher ist als auf dem Merkur, obwohl die Venus weiter entfernt von der Sonne liegt?

Ich packe meine Wut ein, zerknülle ein Taschentuch in der Hosentasche und beende das Gespräch. Nachher muss ich an Laura denken, die mit 5 Jahren eingeschult wurde, jetzt mit 7 Jahren in der 3. Klasse ist und das Leistungsniveau immer noch ziemlich leicht findet. An Raphael, der nach der Einschulungsfeier gleich mit der 2. Klasse begonnen hat. Und verstehe immer noch nicht, warum Felix erst leiden muss.

Wenn Sie sich Gedanken machen,
wie es Ihrem (möglicherweise) hochbegabten Kind in der Schule gut gehen kann,

  • ob bzw. wann ein Test sinnvoll ist,
  • wie Motivation und Lernlust erhalten bleiben können,
  • wie Ihr Kind das Lernen lernen kann,
  • wie andere Eltern mit dieser Situation umgehen,
  • wie Sie mit der Lehrkraft über die Hochbegabung Ihres Kindes reden können,
  • oder selbst ein Thema einbringen möchten hierzu,
  • dann sind Sie herzlich eingeladen am

Workshop für Eltern von hochbegabten Kindern am 14. Mai 2011 teilzunehmen.
www.iqberatung.de/workshop.html

Bad Soden, 15.04.2011
Christine Skupsch
www.iqberatung.de

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