Mittwoch, Januar 5, 2011 Thema Aktuelles, Das Leben

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

von Wolke

Auf dem Gymnasium half mir meine ruhige, beobachtende, liebe Art nicht viel. Die Kinder waren ruppig und lernten gerade, sich durchzusetzen. Ich verstand sie alle nicht, ich hätte gerne alles auf eine vernünftige Art und Weise gelöst. Durch meine Gedanken und meine zurückhaltende Art, schoss ich mich ins Aus. Ich wurde heftig gemobbt und erfuhr zum ersten Mal, wie böse und gemein Menschen sein können. Durch die verbalen und körperlichen Angriffe verlor ich die Lust am Lernen und meine Noten wurden schlechter und schlechter. Ich fing an mich zu hassen und zu resignieren, verkroch mich in meinem Zimmer und weinte stundenlang. Die Schule wurde zum Horror. Nachdem ich auch noch vergewaltigt wurde verlor ich den Lebenswillen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wurde so präsent wie noch nie.

Nachdem ich mich meiner Mama öffnete, etwa in der 8. Klasse, machten wir uns auf die Suche nach einer neuen Schule. Wir fanden eine Alternative, die sich sehr vielversprechend anhörte – die Waldorfschule. Und ich muss sagen, obwohl ich nur 2 Jahre dort war, war es die beste Schulzeit. Die Klasse war sehr sozial und freundlich. Ich fand zum ersten Mal richtige Freunde und wurde Mitglied einer Mädchenclique. Wir hatten so viel Spaß. Doch nach der anfänglichen Begeisterung wurde mir unglaublich langweilig. So langweilig, dass ich mich weigerte, irgendetwas zu tun. Mir war alles zu doof. Ich saß so viele Stunden in der Klasse und starrte an die Decke, während die anderen Schüler fleißig über den Aufgaben saßen. In der 10. Klasse ging es mir mehr und mehr schlechter. Alle Psychologen, die ich besuchte, konnten mir nicht helfen – oder ich wollte mir nicht helfen lassen. Auf jeden Fall ging es mir sehr schlecht, ich fing auch an, mich selbst zu verletzen. Mein Druck in mir war so groß, dass ich ihm nicht mehr standhalten konnte. Auf einer Klassenfahrt wollte ich nicht mehr, ich versuchte verzweifelt, aber auch total unbeholfen, mein Leben irgendwie zu beenden. Die Lehrer und mitgefahrenen Eltern hielten mich für total verrückt und unerhört. Ich fuhr frühzeitig alleine nach Hause. Das war zuviel, ich brach die Schule ab und das nächste halbe Jahr verbrachte ich zuhause. Die Zeit hatte ich gebraucht, es ging mir wieder besser…

Da ich durch meine holprige Schullaufbahn nur einen Hauptschulabschluss vorweisen konnte, fing ich an, den Realschulabschluss in Verbindung mit einer Ausbildung auf einem Berufskolleg zu machen, damit ich nicht so hinterherhinke. Die Klasse bestand aus Schülern im Alter von 16-35 Jahre, doch sie ernährten sich alle gleichermaßen von Lästereien, Mobbing und Hinterhältigkeiten. Gott sei Danke verstand ich mich gut mit einer Schülerin, einige Jahre älter als ich. Nach einem Jahr brach ich erneut die Schule ab und kam in eine psychiatrische Klinik. Dort diagnostizierten sie Borderline, aber nach einer testpsychologischen Untersuchung stellte sich heraus, dass ich “nur” mittelschwer depressiv bin und hochbegabt. Ich fiel aus allen Wolken, freute mich, doch ich war auch sehr traurig, denn ich hatte das Gefühl, mein ganzes Leben verschwendet zu haben. Erneut fragte ich mich, was das Leben überhaupt für einen Sinn habe…

Nun bringe ich auf wieder einer neuen Schule, diese Ausbildung zu ende mit dem dazugehörigen Realschulabschluss. Die Klasse ist genauso, der Schulstoff ist viel zu leicht und ich habe noch nichtmals eine Person dort, mit der ich mich unterhalten kann. Immerzu muss man aufpassen, dass es nicht nach hinten losgeht. Aber ich muss es aushalten…ich muss irgendwie durchhalten!

Doch die Frage nach dem Sinn des Lebens bleibt, ich liebe das Leben, ich verstehe die Menschen nicht.

Meine Seele…

…ist voller Leidenschaft, sie ist meine Leidenschaft.
…erfüllt mich, sie durchströmt und umhüllt mich.
…zwingt mich zum Atmen,  sie erstickt mich.
…ist so krank, sie ist ehrlich und rein wie die Träne eines Kindes.
…tröstet mich,  sie streichelt mich sanft, sie quält mich.
…zerreißt mich, ich spüre sie so intensiv, sie umklammert und lässt niemals los.
…lässt mich sterben, sie erhält mich und macht mich aus.
…hat Hunger, sie gibt sich nie zufrieden, sie braucht.…will Frieden, sie lebt den Frieden, sie gibt.
…ist Eigen, sie wird niemals folgen, sie geht ihren Weg.
…ist weich und rosa, tiefschwarz und leer.
…ist so verletzlich und allein, so stark und überzeugt.
…schenkt mir ein reiches, tiefgründiges Leben, es ist mühsam.
…lässt mich verzweifeln und schreien, lachen und lieben.
…verliert nie den Mut, verliert nie den Glauben, sie ist naiv und treu.
Meine Seele  ist ein Feind, doch vor allem ein großartiger Freund.

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Ein Kommentar zu “Die Suche nach dem Sinn des Lebens”

  1. Marie sagt:

    Dein Lebensweg könnte meiner sein (nur, dass bei mir alles früher passierte). Ich habe so oft die Schule gewechselt und nur auf der Waldorfschule kam ich mit dern Kindern zurecht, doch dort wurde mir zunehmend langweiliger und ich wechselte wieder die Schule. Nun bin ich in der 8. Klasse einer Realschule und bin die Außenseiterin. Keiner versteht mich. Ich muss ständig erläutern was ich meine, und bin gezwungen meine Ausdrucksweise auf deren Niveau herunter zu schrauben damit ich nicht noch mehr aus der Norm heraus falle.

    PS: Bevor ich auf die Waldorfschule gewechselt habe war ich, genauso wie du auch ein halbes Jahr zu Hause und es war die schönste Zeit meines Lebens. Ich konnte eigenständig lernen, ohne diese volkommen öden Schulbücher. Leider war das Jugendamt schnell da und ich wurde gezwungen wieder die Schule zu besuchen.

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